Einsiedler Pferde - ein lebendiges Kulturgut .

Seit über 1000 Jahren züchtet das Kloster Einsiedeln Pferde. Die über Jahrhunderte belegte Geschichte der Klosterpferde macht sie einzigartig. 

Als Reit-, Saum- und Zugpferde begleiteten die Cavalli della Madonna das Kloster durch alle Epochen bis in die heutige Zeit. Eine bewegte Geschichte über Mobilität, Tradition und Veränderung.

10. Jh..

Wie alles begann

Als im 10. Jahrhundert im Finsteren Wald die Benediktiner Abtei erbaut wird, ist es nur Leuten aus dem Adels- und Ritterstand erlaubt, der Mönchsgemeinschaft beizutreten. Aus ihren wohlhabenden Herkunftshäusern bringen sie die Beziehung zum Pferd mit, so dass das Stift seit den Anfängen über eigene Hengste und Stuten verfügt.

Gezüchtet wird für den Eigenbedarf: Reitpferde um zu reisen und die Verbindung zu den adligen Familien, dem kaiserlichen Hof und den weit ausgedehnten Ländereien aufrecht zu erhalten, Saumpferde für den Transport von Gütern (Strassen gab es damals noch keine!) und schwere Ritterpferde für die befreundeten Fürstenhäuser.


15. Jh.

Erste Blüte

Um 1500 n. Chr. weitet sich der Pferdemarkt aus. Fürsten und Händler kommen. Grosses Interesse findet das Einsiedler Pferd bei den norditalienischen Herzögen, die es als Cavalli della Madonna nach der anmutigen schwarzen Mariastatue der Einsiedler Gnadenkapelle benennen. Der Marstall des Klosters erlebt eine Blütezeit und verkauft hunderte von edlen Reit- und robusten Saumpferden. Der Fähigkeit des Schreibens kundig, beginnt Statthalter Pater Joseph Reider im Jahr 1655, den Pferdebestand aufzuschreiben - das erste Zuchtbuch überhaupt entsteht.


18. Jh.

Kraft und Leere

1700 beginnt der Neubau des heutigen Klosterareals und der prachtvollen barocken Klosterkirche. Inspiriert vom Zeitstil werden anschliessend die Stallungen neu gebaut und mit wunderschönen Bogenfenstern und Kreuzgewölbe ausgestattet. Sie verleihen dem Marstall noch heute sein edles Erscheinungsbild.

 

1798 wird der Marstall von französischen Revolutionsheeren ausgeraubt und die Generäle beschenken sich gegenseitig mit den schönsten Pferden. Auch das Kloster wird geplündert und die Mönche müssen ihr Zuhause fluchtartig verlassen.

Drei Jahre später kehren die Mönche zurück und kaufen einheimische Stuten und Schwyzerhengste von Bauern aus der Umgebung. Auf Basis des alten Einsiedler Schlags wird im Klostermarstall eine neue Zucht aufgebaut.


19. Jh.

Kutschpferde und zweiter Aufschwung

Die Mobilität verändert sich. 1820 reist der Abt erstmals mit der Kutsche. Mit dem Ausbau der Strassen und des Gotthardpasses Mitte des 19. Jh. steigt die Nachfrage nach Wagenpferden. Die Pferde begleiten die Mönche auf Hausbesuchen in der Seelsorge und ermöglichen die Bewirtschaftung der grossen Wies- und Forstflächen des Klosters. Der Marstall erlebt einen erneuten Aufschwung. 1841 hat er mit 154 Pferden Höchstbestand.


1840

Stammbaum mit Seltenheitswert

Ab 1840 wird die Zucht im Marstall systematisch und lückenlos dokumentiert - die historisch einmaligen Zuchtbücher A und B entstehen. Die Abstammung der Fohlen, die Sie heute auf den grünen Matten herumtollen sehen, kann bis in diese Gestütsbücher zurück verfolgt werden. Eine so gut dokumentierte Gestütstradition wie bei der Einsiedler Marstallzucht lässt sich sonst nirgendwo finden.


20. Jh.

Neuorientierung

Im Laufe des letzten Jahrhunderts wird das Pferd durch die zunehmende Motorisierung aus dem Arbeitsalltag verdrängt und findet als Freizeit- und Sportkamerad einen neuen Platz. Heute vermietet das Kloster seine Stallungen und Weiden an die Marstall Kloster Einsiedeln GmbH. Diese bewahrt die Tradition: Sie verfolgt ein auf den Markt ausgerichtetes Zuchtziel und züchtet ein sehr zuverlässiges, einsatzfreudiges, gesundes Reitpferd für Sport und Freizeit.

Heute sind die Pferde auf den umliegenden Weiden und in den Stallungen hinter dem Kloster Einsiedeln ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Pilger und Touristen aus nah und fern und werden von Pferdekennern sehr geschätzt. Molekularbiologisch ist das Einsiedler Pferd keine eigene Rasse, jedoch ein eigener Pferdeschlag. Lesen Sie mehr darüber unter "Zucht".